einfluß des menschen auf die artenvielfalt

Hohe Zahl ausgerotteter Vogelarten verleitet zur Fehleinschätzung evolutionärer Dynamik

Universität Bayreuth, Pressemitteilung Nr. 171/2020 vom 07.12.2020


Mit dem Verlust ihrer Flugfähigkeit haben sich Vögel im Laufe der Evolution an die einzigartigen Lebenswelten abgelegener ozeanischer Inseln angepasst. Seit der Mensch diese Inseln besiedelte, hat er jedoch die meisten flugunfähigen Vogelarten ausgerottet. Eine internationale Forschungsgruppe mit dem Bayreuther Ökologen Prof. Dr. Manuel Steinbauer hat das Ausmaß dieses Artenverlustes erstmals umfassend untersucht. Die in „Science Advances“ veröffentlichte Studie zeigt, dass ein falsches Bild von der evolutionären Dynamik im Vogelreich entsteht, wenn die flugunfähig gewordenen, vom Menschen ausgerotteten Arten unbeachtet bleiben.

Die ausgestorbene flugunfähige Réunion-Ralle (Dryolimnas augusti) wurde vermutlich noch im 17. Jahrhundert auf der Insel Réunion im südlichen Indischen Ozean gesichtet. Hier der Blick in die nordöstliche Caldera des Piton des Neiges (3.070 Meter). Foto: Manuel Steinbauer.

Die Anzahl der Vogelarten, die sich an die einzigartigen Bedingungen auf Inseln angepasst und ihre Flugfähigkeit verloren haben, ist – wie die neue Studie zeigt – erheblich größer, als in der Forschung weithin angenommen wird. Tatsächlich hat diese evolutive Anpassung ungefähr vier Mal häufiger stattgefunden als es scheint, wenn sich Berechnungen allein auf die von Ausrottung verschonten Vogelarten stützen.
„Was wir als ursprüngliche ‚Natur‘ wahrnehmen, ist in Wahrheit durch Eingriffe des Menschen erheblich beeinflusst. Oft können wir aufgrund des heutigen Zustands die natürlichen Prozesse der Vergangenheit nicht mehr verstehen. Der Verlust der Flugfähigkeit im Vogelreich ist dafür ein gutes Beispiel. Unsere Analysen zeigen, dass in mehr als der Hälfte aller Vogel-Ordnungen mindestens eine Vogelart ihre Flugfähigkeit verloren hat. Der Verlust der Flugfähigkeit hat sich für die betroffenen Arten ursprünglich als evolutionärer Vorteil erwiesen, und das in mindestens 150 voneinander unabhängigen Fällen“, sagt Prof. Dr. Manuel Steinbauer von der Universität Bayreuth. 

Die Anaga-Berge auf der Kanaren-Insel Teneriffa. Die auf Teneriffa ausgestorbene Ammer Emberiza alcoveri und der ebenfalls ausgestorbene Stieglitz Carduelis aurelioi sind seltene Beispiel für kleine flugunfähige Vögel (Ordnung der Sperlingsvögel), von denen Fossilien gefunden wurden. Foto: Manuel Steinbauer.

Wenn es auf abgelegenen, isolierten ozeanischen Inseln keine am Boden lebenden Fressfeinde gab, brachte die Flugfähigkeit für die dort lebenden Vögel oft mehr Nachteile als Vorteile. Daher haben sich auf solchen Inseln flugunfähige Vögel entwickelt, die größer waren als ihre Vorfahren. Sie haben für sich genau diejenigen Ressourcen erschlossen, die auf dem Festland bis heute von großen Säugetieren genutzt werden. So konnten sich die hervorragend angepassten flugunfähigen Vögel in ihren natürlichen Lebensräumen in vielen Hunderttausenden von Jahren gut behaupten. Doch letztlich wurden diese Arten flächendeckend zur leichten Beute der Menschen. Sie waren nicht an Feinde angepasst und lebten in vielen Fällen ohne Fluchtinstinkte. Eines der wohl berühmtesten Beispiele dafür ist der Dodo. Dieser etwa ein Meter große, flugunfähige Vogel wurde von Seefahrern auf der Insel Mauritius entdeckt und galt bis zu seiner Ausrottung als beliebtes Nahrungsmittel.


Gemeinsam mit Partnern an der Universität Göteborg, dem Institut für Zoologie in London und den Londoner Royal Botanic Gardens, Kew hat Prof. Dr. Manuel Steinbauer die aus verschiedensten Quellen stammenden Daten zum Verlust der Flugfähigkeit systematisch ausgewertet. Dabei bestätigte sich, dass es Hotspots dieses globalen Phänomens gab: So lebten auf Hawaii und Neuseeland jeweils mehr als 20 flugunfähig gewordene Vogelarten, darunter riesige Gänse bzw. Moa. „Insgesamt sind 581 Vogelarten nachweislich vom Menschen ausgerottet worden. Wenn man sie zu den heute noch lebenden Vogelarten addiert, steigt die Zahl der Vogelarten insgesamt nur um fünf Prozent. Doch der Anteil der flugunfähigen Vogelarten erhöht sich dadurch auf das Vierfache“, sagt Steinbauer.
Veröffentlichung:
F. Sayol, M. J. Steinbauer et al.: Anthropogenic extinctions conceal widespread evolution of flightlessness in birds. Science Advances (2020), Vol 6, no. 49. DOI: https://dx.doi.org/10.1126/sciadv.abb6095
Kontakt:
Professor Dr. Manuel Steinbauer
Universität Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 / 55-5834
E-Mail: manuel.steinbauer@uni-bayreuth.de

klimabienenhotspot am oscheeberch oder eigentlich ist dieser Superstar überall

Die Biene als Superstar

HOBOS im naturwissenschaftlichen Unterricht

hoBoS steckt in vielen Fächern: hoBoS – honey Bee online Studies – ist eine interaktive lernplattform. ihr herzstück ist ein Bienenstaat, der rund um die Uhr überwacht wird. Die Bienen werden beobachtet, diverse Daten gesammelt und ausgewertet, umfangreiche Datensätze in Beziehung gesetzt. Dieser Artikel stellt die Einsatzmöglichkeiten von hoBoS in verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern vor und zeigt ein konkretes unterrichtsbeispiel aus der Biologie.

Jede Minute werden im und um den Bienenstock verschiedenste abiotische Daten erfasst, und Innen-, Außen- und Wärmebild- kameras nehmen die Aktivitäten der Bienen auf. Die Datenmenge – immerhin rund 460.000 Messwerte im Monat – ist so groß, dass Professor Jürgen Tautz, Gründervater von HOBOS, und seine Mitarbeiter die Datenvielfalt gar nicht auswerten können. So werden sämtliche Daten freizugänglich ins Internet gestellt (www.hobos.de) und bieten Ausgangspunkte für verschiedenste naturwissenschaftliche Fragestellungen.

HOBOS steckt voller Mathematik

Der Mathematikunterricht soll den Schülern ermöglichen, „Erscheinungen der Welt um uns, die uns alle angehen oder angehen sollten, aus Natur, Gesellschaft und Kultur, in einer spezifischen Art wahrzunehmen und zu verstehen“ und dabei „in der Auseinandersetzung mit Aufgaben Problemlösefähigkeiten (heuristische Fähigkeiten), die über die Mathematik hinaus gehen, zu erwerben.“ (Winter 2003; vgl. auch KMK 2004).

Das Projekt HOBOS ist in vielfältiger Weise dazu geeignet, diese Grunderfahrungen zu vermitteln. Zum einen handelt es sich bei der Beobachtung eines Bienenvolkes um ein hochaktuelles Forschungsgebiet, das Aufgrund der exponierten Stellung der Honigbiene in der Nahrungskette für jeden Einzelnen relevant ist. Zum anderen werden dabei mathematische Werkzeuge benötigt, die einen sachgerechten Umgang mit den anfallenden Informationen überhaupt erst ermöglichen.

So entsteht für den Mathematikunterricht eine höchst fruchtbare Symbiose: Die in HOBOS gesammelten Daten sind ohne geeignete Aufbereitung, Darstellung und Interpretation mit den Mitteln der Mathematik wertlos, die Schüler lernen also ein wichtiges Anwendungsgebiet der Mathematik kennen. Umgekehrt liefert die Datenbank eine riesige Fülle von Realdaten, deren Interpretation nur vor dem biologischen Hintergrund sinnvoll ist.

Die Schüler haben also die Möglichkeit, reale Daten in einer authentischen Forschungsumgebung zu untersuchen, und können auf dieser Grundlage Hypothesen über das Leben der Honigbiene finden und formulieren. Zentrale Aufgabe ist es dann, Aussagen und Hypothesen durch eine geeignete Darstellung und Auswertung der Datenlage kommunizierbar zu machen, zu überprüfen und auf Verallgemeinerbarkeit zu untersuchen – dazu ist eine Argumentation auf der mathematischen Ebene, unter Berücksichtigung des biologischen Kontextes, notwendig.

HOBOS steckt voller Informatik

Angefangen bei den Informatiksystemen zur Erhebung und Verarbeitung von Messwerten im Bienenstock und der benachbar- ten Umweltmessstation, über die Datenbank zur persistenten Speicherung all dieser Informationen bis hin zur interaktiven Website, die Nutzern aus aller Welt die Daten und Materialien zugäng- lich macht: Überall verbergen sich viele interessante Fragestel- lungen für den Informatikun-

terricht. Von ganz besonderem Interesse ist dabei jedoch die HOBOS-Datenbank, in der sich inzwischen eine gigantische Da- tenmenge angesammelt hat: Temperaturdaten aus dem Inneren des Bienenstocks, sein Gewicht, die Anzahl der Ein- und Ausflüge unserer Honigbienen sowie zahl- reiche Informationen über die Umgebung des Stocks, wie Temperaturdaten, die Feuchte der Luft, der Blätter und des Bodens, die Windgeschwindigkeit und seine Richtung und so weiter.

Der Umgang mit relationalen Datenbanken ist in vielen Bundesländern wichtiger Bestandteil des Informatikcurriculums. In bayerischen Gymnasien widmet man diesem Themenkomplex zum Beispiel rund ein halbes Schuljahr (http://www.isb-gym8- lehrplan.de). Wichtig sind dabei unter anderem die Modellierung von Datenbanken und die Abfrage von Daten aus der Datenbank. Aus praktischen Grün- den kommen meist unrealistisch kleine Datenbanken mit fiktiven Daten zum Einsatz.

Das HOBOS-Projekt arbeitet mit einem Datenbestand des HOBOS-Bienenvolkes und der Um- weltmessstationen: echte statt fiktiver Daten, Tabellen mit Tausenden von Zeilen statt nur mit wenigen Einträgen, kontinuierlich und zeitnah aktualisierte Daten statt veralteter Beispiele. Interessant wird die Arbeit mit den HOBOS-Daten vor allem, da sich die Datenbankrecherche über interdisziplinäre For- schungsfragen zum Bienenvolk und seiner Umgebung motivieren lässt.

Wie verhalten sich die Bienen zum Beispiel an besonders warmen oder kalten Tagen? Kein Problem: Eine Abfrage zur Bestim- mung warmer oder kalter Tage ist schnell formuliert.

Stimmt es, dass Bienen vor einem Gewitter nicht mehr ausfliegen? Kein Problem: Schnell liefert die Datenbank alle auffälligen Wetterereignisse. Derartige Forschungsfragen motivieren darüber hinaus auch zur Beschäfti- gung mit weitaus komplexeren Problemen, die nicht selten über

das curricular Geforderte hinausgehen. Und noch ein Vorteil: Das Bienenvolk spricht Mädchen und Jungen gleichermaßen an!

HOBOS steckt voller Chemie

„MINT-Fächer sollen studiert werden! Wir brauchen naturwissenschaftlich gut ausgebildete Schülerinnen und Schüler.“ Solche oder ähnliche Aussagen hört man immer wieder aus der Wirtschaft – und trotz aller Bemühungen hungen der Schule und der Wirtschaft lehnen viele Schüler den Chemie- oder auch den Physik- unterricht ab.

Schüler der Oberstufe bezeichnen Chemie und Physik oft als unbeliebteste Fächer. Als Ursache für diese Ablehnung wird die Abstraktheit dieser Fächer gesehen und dass viele Fachinhalte außerhalb der Lebenswirklichkeit der Schüler liegen (vgl. Merzyn 2008).

Hier eröffnet HOBOS eine große Chance. Die Honigbiene als Anker zur Lebenswirklichkeit der Schüler bietet die Möglichkeit, beispielsweise mit der chemischen Analyse des Honigs oder auch bei einer chemischen Untersuchung des Wachses die Lernenden für das Fach Chemie zu motivieren.

Bei der chemischen Analyse des Bienenhonigs lassen sich verschiedene fachtypische Arbeitsweisen am Beispiel einüben. Fragen wie die nach dem pH-Wert verschiedener Honigsorten, nach den Inhaltsstoffen des Honigs, fotometrische Untersuchungen verschiedener Honigsorten oder die Überprüfung des Wasser- gehaltes des Honigs führen Schüler am Realobjekt in verschiedenste chemische Analyseverfahren ein.

Auch am Beispiel des Bienenwachses können chemische Experimente durchgeführt werden, zum Beispiel, indem die Schüler seinen Schmelzpunkt bestimmen. Intrinsisch entwickeln die Schüler Fragestellungen wie: Welche Struktur muss ein organisches Molekül haben, dessen Schmelzpunkt bei 62 bis 65 Grad Celsius liegt? Welchen biologischen Sinn erfüllt dieser Schmelzbereich? Welche funktionellen Gruppen finden sich im Bienenwachs?

Die interdisziplinären Möglichkeiten von HOBOS machen vor der Chemie nicht halt.

HOBOS begeistert und motiviert für die Naturwissenschaft Chemie.

HOBOS steckt voller Geographie

http://www.alexandrabienenwelt.de

Rund um die Honigbiene erfasst HOBOS eine enorme Fülle umweltrelevanter Daten zu Naturfaktoren wie Temperaturgang, Niederschlag, Luftbewegung oder Bodenfeuchte als bestimmende Faktoren für räumliche Strukturen und Prozesse auf der Erde. Die Plattform bietet Informationen für das entdeckende Lernen in der Geographie, deren Lehrplan Einblicke fordert in naturgeographische Gesetzmäßigkeiten, aber auch in die Vielfalt und Schönheit der Erde sowie in die mögliche Gefährdung von Geoökosystemen durch menschliche Eingriffe.

HOBOS bietet durch die variable, höchst userfreundliche Nutzung der Datenbank eine sehr gut strukturierbare Auswahl von naturgeographisch relevanten Informationen, die die Schüler gezielt bearbeiten und durch vielfältige Korrelation verknüpfen können. So erschließen sich durch Eigentätigkeit Wirkungs- zusammenhänge zwischen raumrelevanten Naturfaktoren.

Da das Fach Geographie natur-, wirtschafts- und gesellschaftswissenschaftliche sowie historische Betrachtungsweisen integriert, bietet sich HOBOS auch für eine fächerübergreifende Zusammenarbeit an. HOBOS international unterstützt als Basis für geographische und fächerübergreifende Unterrichtsprojekte mit Partnerschulen die Lehrplanforderung nach interkulturellem Lernen im Schulfach Geographie.

HOBOS leistet so für die Geographie – als Integrationsfach gesellschaftlicher und naturwissenschaftlicher Sichtweisen – darüber hinaus einen entscheidenden Impuls zur Umweltbildung, in der vor allem die Konzeption einer nachhaltigen Entwicklung von Räumen, Ökonomien und Gesellschaften thematisiert wird.

HOBOS steckt voller Biologie

Der HOBOS-Bienenstaat wird rund um die Uhr mithilfe von Wärmebildkameras, Innenkameras und Außenkameras beobachtet. Die Schüler können das Ver- halten der Bienen beobachten – ohne die Gefahr, gestochen zu werden – und sich direkt mit dem Realobjekt am Computerbildschirm auseinandersetzen. Wie verhalten sich die Bienen an besonders heißen Tagen? Wie und wann reagieren sie auf schlechtes Wetter? Was tun Bienen nachts oder im Winter? Wie verändert sich das Stockgewicht im Laufe eines Bienenjahres? All diese Fragen können Schüler mit- hilfe von HOBOS selbstständig beantworten.

Am Deutschhaus Gymnasium in Würzburg wurde HOBOS bereits jetzt im Stufenplan der achten Jahrgangsstufe verankert. Im Fach Biologie sollen die Verhaltens- und Lebensweisen von Insekten am Beispiel der Biene und mit HOBOS erforscht werden.

Bienen wird interpretiert. Hierbei können die Lernenden selbst- ständig die Ursachen für die Ge- wichtszunahme im Sommer und die Gewichtsabnahme im Winter erschließen. Es wird ersichtlich, dass die Bienen während dieser Heizperioden sehr aktiv sind und mithilfe des Muskelzitterns den Bienenstock aufheizen. Energiegewinnung aus Honig über die Zellatmung und Muskelaktivität bieten Optionen für verschiedene naturwissenschaftliche Unterrichtseinheiten und dienen als Anknüpfungspunkte für bereits behandelte oder noch zu behandelnde Unterrichtsinhalte der Biologie.

HOBOS-Unterrichtsmodule eignen sich ebenso, um binnendifferenziert zu arbeiten. Auch dies kann am Beispiel der Unterrichtseinheit zum Stockgewicht der Biene erläutert werden. Es ist für die Lehrkraft ein Leichtes, für schnelle Schüler zusätzliche Arbeitsaufträge zu entwerfen. Haben die Schüler schon Erfahrungen aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Unterrichtssequenzen gesammelt, können sie im Idealfall mithilfe der HOBOS-Daten auch eigene Fragestellungen entwickeln und diesen nachgehen.

Mögliche fächerübergreifende Unterrichtskonzepte – wie sie im „Biologieteil“ vorgestellt wurden – werden ständig erarbeitet, überarbeitet und zweisprachig (deutsch und englisch) veröffentlicht. Im Idealfall lernen die Schüler die Lernplattform HOBOS kennen und schätzen und nutzen sie selbst, um eigenständig formulierte naturwissenschaftliche Fragen zu beantworten. Auch für eine Bewerbung für „Jugend forscht“ kann HOBOS als Wegweiser dienen. Daher sind alle Lehrkräfte dazu eingeladen, HOBOS zu nutzen oder selbst an der Plattform mitzuarbeiten. Die Einsatzmöglichkeiten sind gren- zenlos und können jeden Unterricht mit Sicherheit bereichern.

Vor dem Einsatz der HOBOS- Datenbank in Ihrem Unterricht sollten Sie sich selbst mit der Lernplattform HOBOS vertraut machen.

Literatur

CurCio, FranCeS r.: Developing graph comprehension, reston, Va 1986 Friel, SuSan n.; CurCio, FranCeS r.; Bright, george W.: Making sense of

graphs: critical factors influencing comprehension and instructional implications,

in: Journal for research in mathematics education 32 (2), 2001, 124–158 KultuSMiniSterKonFerenz (KMK): Bildungsstandards im Fach Mathematik für

den mittleren Schulabschluss, München 2004
Winter, Heinrich: Mathematikunterricht und Allgemeinbildung, in: Henn, Hans

Wolfgang et al.: Materialien für einen realitätsbezogenen Mathematikunterricht,

Hildesheim 2003, 6–15
Merzyn, Gottfried: Naturwissenschaften, Mathematik, Technik — immer unbeliebter? Die Konkurrenz von Schulfächern um das Interesse der Jugend im Spiegel vielfältiger Untersuchungen, Hohengehren 2008

Autoren

Str Christoph Bauer unterrichtet am Deutschhaus gymnasium Würzburg Biologie und Chemie, stellt hoBoS auf internationalen Lehrerfortbildungen in Zusammenarbeit mit europafels e. V. vor und ist als Mitglied des hoBoS-teams für die Etablierung der Lernplattform an der Schule zuständig.

OStD Norbert Baur war Fachleiter für Geographie, Sozialkunde, Wirtschaft und recht am Gymnasium. Nach einer späteren Tätigkeit in der Lehrerausbildung leitet er heute das Deutschhaus-Gymnasium in Würzburg.
Prof. Dr. Martin Hennecke promovierte in der Informatik über diagnostische Lehr-Lern-Systeme. Seit 2010 ist er Universitätsprofessor für Didaktik der Informatik an der Universität Würzburg und interessiert sich unter anderem für motivierende Themen im Informatikunterricht.

Dipl. Math. Markus Ruppert promoviert nach abgeschlossenem Lehramtsstudium und mehrjähriger Lehrertätigkeit am Gymnasium auf dem Gebiet der Lernpsychologie im Bereich Mathematikdidaktik. Er ist seit 2009 akademischer Rat am Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik der Universität Würzburg und beschäftigt sich dort insbesondere mit dem Einsatz moderner Technologien im Mathematikunterricht.

ein Dank geht an Michaela Will (Lehramtsstudentin Biologie/Chemie),
die unter großem Einsatz Materialien für das Unterrichtsmodul erstellt hat. Weitere Arbeitsblätter und Unterrichtsmodule können Sie unter http://www.hobos.de herunterladen.

Praxis Schule 2-2013

bildung für nachhaltige entwicklung weiter in den alltag und dem bildungswesen

Non-formale, informelle Bildung

Einen großen Teil unseres Wissens erwerben wir außerhalb von Klassenzimmern und Hörsälen. Non-formale und informelle Lernangebote machen sich dieses natürliche Lernen zunutze und motivieren gezielt, sich mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen.

Warum ist Bildung für nachhaltige Entwicklung in der non-formalen, informellen Bildung so wichtig?

Es wird geschätzt, dass 60 bis 70 Prozent aller menschlichen Lernprozesse im Alltag, am Arbeitsplatz, in der Familie und in der Freizeit geschehen. Der Bereich der non-formalen und informellen Bildung ist im Vergleich zum formalen Bildungssystem nicht in starren Strukturen verortet und bietet damit besondere Chancen zur Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das breite Spektrum an unterschiedlichen Lernorten, Themen und Methoden ermöglicht den Lernenden in der außerschulischen Bildung, vielseitige Bildungs- und Handlungserfahrungen im Kontext nachhaltiger Entwicklung zu machen.

Non-formales und informelles Lernen begleitet einen Menschen ein Leben lang und ist daher ein entscheidender Bildungsfaktor. Ob in Biosphärenreservaten, Volkshochschulen, Umweltbildungszentren, Sozialverbänden, Sportvereinen, Familie, Freundeskreis oder im Urlaub – überall kann man etwas über soziale, ökologische und ökonomische Wechselwirkungen lernen und sein Denken und Handeln mit Blick auf diese Zusammenhänge reflektieren.

Viele der außerschulischen Bildungsprogramme adressieren Kinder und Jugendliche, also die Generation, die nicht nur heute, sondern auch morgen mit den Folgen einer nicht-nachhaltigen Entwicklung umgehen muss. Gerade bei ihnen ist es wichtig, frühzeitig und ganzheitlich ein Bewusstsein für Aspekte der nachhaltigen Entwicklung zu schaffen und ihnen eine Gestaltungskompetenz zu vermitteln. Ebenso wichtig ist die Erwachsenenbildung, um einen kontinuierlichen, lebenslangen Lernprozess zu ermöglichen.

Wie kann Bildung für nachhaltige Entwicklung in der non-formalen, informellen Bildung angewendet werden?

Informelles Lernen findet zumeist selbstgesteuert und aufgrund von individuellen Interessen und Präferenzen statt. Daraus ergibt sich ein hohes Maß an Motivation und Lernbereitschaft des Einzelnen – eine ideale Grundlage für Bildung, an die es anzuknüpfen gilt.

Die Auseinandersetzung mit Themen der nachhaltigen Entwicklung kann im non-formalen und informellen Bereich dort ansetzen, wo es den Menschen direkt betrifft. Beispielsweise bei Alltagsentscheidungen zu Konsum, Mobilität und Wohnen oder der Wahl und Ausgestaltung eines Urlaubs.

Eine Weiterentwicklung vorhandener Strukturen sollte auch in die Richtung gehen, Jugendliche verstärkt für die Mitwirkung und Mitgestaltung von Bildungsaktivitäten zu begeistern – auch unter Nutzung digitaler Medien. Jugendlichen muss die Teilhabe an Entscheidungsprozessen ermöglicht werden.

Eine junge Frau malt in einem Atelier ein Bild. Um sie herum sind Gläser mit vielen Pinseln, Farben und Zeichentafeln zu sehen.
Volker Lannert

Herausforderungen in der non-formalen, informellen Bildung

Die non-formale Bildung ist in manchem freier als die formale Bildung: Es gibt beispielsweise keine festen Lehrpläne und Organisationsstrukturen. Dies bringt gleichermaßen Chancen, wie auch Herausforderungen mit sich. Wie kann in so einem nicht-formalen System eine strukturelle Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung gelingen? Die Vielzahl an Trägern und die Heterogenität der Lerngruppen und Methoden erschwert dies zudem.

Umso mehr gilt das für die informelle Bildung: Da informelles Lernen ein nicht-organisiertes Lernen ist, kann es nicht gesteuert, sondern nur unterstützt oder angeregt werden.

Um das Potential außerschulischer Bildung für nachhaltige Entwicklung besser nutzen zu können, sind längerfristige, themen- und sektorenübergreifende Förderinstrumente nötig, vor allem mit Blick auf die Verstetigung und den Transfer erfolgreicher Projekte. Zudem ist ein kostengünstiger Zugang zu außerschulischen Angeboten im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung notwendig, da vor allem Jugendliche diese nutzen.

Das Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung

2015 fiel der Startschuss für das UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung, das Folgeprogramm der Vereinten Nationen für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Das fünfjährige Programm (2015 bis 2019) zielte darauf ab, Bildung für nachhaltige Entwicklung vom Projekt in die Struktur zu bekommen. Dabei konzentrierte es sich vor allem auf fünf Handlungsfelder: Politische Unterstützung, ganzheitliche Transformation von Lern- und Lehrumgebungen, Kompetenzentwicklung bei Lehrenden und Multiplikatoren, Stärkung und Mobilisierung der Jugend und Förderung nachhaltiger Entwicklung auf lokaler Ebene.

Zur Umsetzung des Programms in Deutschland hatte das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Nationale Plattform eingerichtet, die im Sommer 2017 einen Nationalen Aktionsplan erarbeitet hat. Sie wurde unterstützt durch so genannte Fachforen, die aus Experten zu den verschiedenen Bildungsbereichen besteht.

Nach fünf erfolgreichen Jahren UNESCO-Weltaktionsprogramm BNE startet die UNESCO 2020 mit ihrem neuen Programm „Education for Sustainable Development: Towards achieving the SDGs“ – kurz „ESD for 2030“.

Das Fachforum Non-formales und informelles Lernen/ Jugend

Das Fachforum erarbeitet prioritäre Handlungsfelder sowie konkrete Ziele und Umsetzungsstrategien für den Bildungsbereich non-formale, informelle Bildung. Außerdem identifiziert es Beispiele guter Praxis und gibt Anregungen für neue Bildungs- und Lernformate.

Priorisierte Handlungsfelder des Fachforums Non-formales und informelles Lernen/ Jugend (Stand: Juli 2016)

Echte Beteiligung von Jugendlichen

Junge Menschen sind unverzichtbare Akteurinnen und Akteure, wenn es um die Gestaltung von Zukunft und Transformation geht. Sie müssen durch echte Beteiligung und Mitsprache in der BNE jugendgemäß eingebunden werden. Nur so kann sich neues Handeln unter Beteiligung aller entfalten.

Mädchen hält Megafon in der Hand und spricht rein
Adobe Stock/Halfpoint

Diversity und Inklusion

Alle Lernenden müssen aktiv und strukturell an BNE teilhaben können; Zugangshürden müssen abgebaut werden. Die Chancen des non-formalen und informellen Lernens für Entscheidungs- und Gestaltungsprozesse müssen genutzt werden, um Exklusion abzubauen.

Stärkung und Anerkennung von Change Agents / Multiplikator*innen

Keine Transformation ohne Change Agents und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im Bereich BNE. Sie stärken Kompetenzen, vermitteln (Erfahrungs-)Wissen und eröffnen Gestaltungsräume. Hierzu braucht es Anerkennung, Qualifizierung und Wertschätzung, wie auch Anreiz- und Finanzierungsstrukturen. Die Bildungsinstitutionen sollen sich für das freiwillige Engagement in der BNE öffnen. Programme zur Vernetzung und Qualifizierung der Multiplikatoren müssen etabliert werden.

Ausbau von BNE-Bildungslandschaften

Bildungslandschaften verbinden auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene non-formale und informelle mit formalen Bildungsangeboten, -inhalten und -anlässen. Sie schaffen einen durchlässigen Bildungsraum des lebenslangen Lernens entlang der individuellen Bildungsbiografie, in dem der Erwerb von Kompetenzen im Sinne der BNE ermöglicht wird. Lernorte und Anbieter von Bildungsinhalten und -anlässen sind auch Wirtschaft, Kommunen, zivilgesellschaftliche Organisationen und private Initiativen. Der internationalen Verankerung von BNE kommt in der globalen Welt eine besondere Bedeutung zu.

Bilder und Erzählungen (Narrative) der Transformation entwickeln

In ihren Bildern und Erzählungen zeigt sich die Kultur einer Gesellschaft. Die Transformation unserer Gesellschaft braucht neue Narrative, um Zukunftsbilder und Vorstellungswelten zu erarbeiten, auf die BNE gerichtet ist. So können bestehende Handlungsmuster verändert und neue Wege ermöglicht werden. Kraftvolle Bilder und Erzählungen tragen maßgeblich dazu bei, die Wirksamkeit von BNE zu entfalten.

Freiräume schaffen

Freie, unverzweckte Räume zur Gestaltung ergebnisoffener Prozesse sind notwendig, um veränderte Gelegenheiten zu Aushandlung und Dialog zu schaffen. Diese ermöglichen den Umbau von Entscheidungs- und Handlungsstrukturen. Freiräume können physisch, zeitlich oder sozial sein. Strukturen, die Freiräume für gesellschaftliches und politisches Engagement ermöglichen, sollen geschaffen werden. Strukturen, die Freiräume verhindern, werden identifiziert und verändert.

Tragfähige Finanzierungsmodelle und -instrumente entwickeln

Zur strukturellen Verstetigung und Weiterentwicklung werden Unterstützungssysteme benötigt, die den Prozess vom Projekt zur Struktur begleiten. Dies soll durch längerfristige, themen- und sektorenübergreifende Förderinstrumente gesichert werden. Bestehende BNE-Förderung soll geprüft und weiter entwickelt werden.

Die Partnernetzwerke im Bereich non-formale, informelle Bildung

Die Fachforen arbeiten eng mit so genannten Partnernetzwerken zusammen, die Akteure untereinander vernetzen und Impulsgeber für die Umsetzung vor Ort sind. Die einzelnen Partnernetzwerke stellen sich auf dieser Seite genauer vor. Sie finden dort unter anderem Mitgliederlisten und Grundpositionen.

Im Bereich non-formale, informelle Bildung sind folgende Partnernetzwerke aktiv:

Partnernetzwerk Außerschulische Bildungswelten, Medien, Ökonomie und Konsum, Biologische Vielfalt, Kulturelle Bildung und Kulturpolitik.

Rückblick

Der non-formale und der informelle Bildungsbereich haben in der UN-Dekade substantiell zur Umsetzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in Deutschland beigetragen. Dies wird daran deutlich, dass über die Hälfte der ausgezeichneten UN-Dekade-Projekte aus diesem Bereich kommen. Durch die Arbeit der AG Außerschulische Bildung konnte ein deutschlandweites Netzwerk von Akteuren entstehen, das zahlreiche Impulse für die Implementation von Bildung für nachhaltige Entwicklung gegeben hat. So wurden unter anderem Qualitätskriterien für die Ausbildung von Multiplikatoren [PDF | 1,3 MB] formuliert.

Weiterführende Informationen

Links

Akteure zum Bildungsbereich Non-formale, informelle Bildung auf dem BNE-Portal

Lehrmaterialien zum Bildungsbereich Non-formale, informelle Bildung auf dem BNE-Portal

Meldungen zum Bildungsbereich Non-formale, informelle Bildung auf dem BNE-Portal

Publikationen zum Bildungsbereich Non-formale, informelle Bildung auf dem BNE-Portal

Publikation: Bildung für nachhaltige Entwicklung in der außerschulischen Bildung [PDF | 1,3 MB]

Zertifizierung außerschulischer Bildungsstätten: Infos der Norddeutschen Partnerschaft (NUN)

UNESCO-Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms BNE [PDF | 4,8 MB]Inhalt überspringen

grüne dächer für insekten und microklima

Dachbegrünung schafft Lebensraum und senkt die Heizkosten

Würden in den deutschen Städten alle Dächer nachträglich bepflanzt, könnten der Natur bis zu zwei Drittel der versiegelten Flächen zurückgegeben werden. Grüne Dächer speichern Regenwasser und verdunsten es langsam wieder. 

In Skandinavien oder Island sind Grassodendächer Jahrhunderte alte Tradition. Harmonisch fügen sie sich in hügelige grüne Landschaften, bieten im Sommer angenehme Kühle und im Winter wohlige Wärme. Die allerersten Behausungen der Menschheit waren zwei Meter tiefe Wohngruben mit Grassodenabdeckung. Mammutjäger bauten sie vor 30.000 Jahren in nördlichen Regionen, wo Eiszeitgletscher das Klima stark abgekühlt hatten, als winterliche Jagdquartiere. Ihre Dächer aus Stangenwerk und Grasbrocken lagen direkt auf der Erdoberfläche auf. Die stehenden Luftpolster im Graspelz wärmten wie ein Bärenfell. 

Das Wissen unserer Urahnen erlebt jetzt ein Comeback. Waren es in den 70er Jahren nur einige probierfreudige Umweltschützer, die vereinzelt mit Dachbegrünungen begannen, sind sich heute Architekten und Stadtplaner, Ökologen und Industrieverbände über die Vorteile einig. Würden in den deutschen Städten alle Dächer nachträglich bepflanzt, könnten der Natur bis zu zwei Drittel der versiegelten Flächen zurückgegeben werden.

Grüne Dächer speichern Regenwasser – bis zu 80 Prozent – und verdunsten es langsam wieder. Das entlastet die Kläranlagen und sorgt für ein ausgeglicheneres Klima. Sie produzieren Sauerstoff, filtern verschmutzte Luft, absorbieren Strahlung und verbessern dadurch insgesamt das Klima. Sie wirken temperaturausgleichend durch Wärmedämmung, dämpfen Lärm und schützen das Dach vor Witterungseinflüssen und mechanischem Verschleiß. Sie lohnen sich finanziell besonders auch für Industrie- und Verwaltungsgebäude, Großhallen und Schulen. Leistungen von Großklimaanlagen können nämlich erheblich gedrosselt werden.

Vorab Belastbarkeit des Daches prüfen

Wer ein Gründach plant, sollte sich vorher gründlich über die Standortbedingungen informieren (Statik, Entwässerung, Windsog, Brandschutz, An- und Abschlüsse). In jedem Fall muss ein Architekt oder Dachdecker zurate gezogen werden. Vor allem bei Flachdächern ist die Frage der Belastbarkeit zu klären. Je nach Bewuchs lastet ein Gewicht von 25 bis 165 Kilogramm auf jedem Quadratmeter. Begrünung ist kein Mittel gegen vorhandene Undichte, hilft aber, solche Schäden dauerhaft zu vermeiden. 

Weil Dachbegrünungen keinen Anschluss an den Nährstoffkreislauf haben, müssen verschiedene Funktionsschichten künstlich auf das Dach aufgetragen werden. Es gibt heute schon viele Betriebe, die sich darauf spezialisiert haben. Man unterscheidet je nach Stärke der Substrat- oder Vegetationsschicht die intensive von der extensiven Begrünung. Intensive Schichten sind 25 bis 35 Zentimeter hoch, extensive nur 3 bis 15 Zentimeter.

Als erstes kommt eine wurzelfeste Schutzlage (Dichtungsbahnen) auf das Dach. Sie besteht aus verrottungsfesten Synthesefasern, die eine Beschädigung des Daches verhindern. Darauf folgt die Dränschicht aus mineralischem Schüttstoff wie Tonziegel oder Bims, die überschüssiges Wasser abführt, so dass keine Pfützen unter dem Bewuchs entstehen. Ganz obenauf kommt die Substrat- oder Vegetationsschicht, die durch Dicke und Zusammensetzung die Vegetationstypen bestimmt. Im so genannten Zweischichtaufbau kommt auf Mineralien noch eine dünne Mulchlage als Nährstoffspeicher. Auf diese Substratschicht wird gesät und nach dem Walzen des Bodens erstmals gewässert. Bei stärker geneigten Dächern können Rutschschwellen auf der Dachhaut ein Abrutschen der Substrate verhindern. Nach einem halben Jahr sollte ein gründlicher Check durch einen kundigen Dachdecker erfolgen. Kahle Stellen lassen sich jetzt noch ausbessern. Es ist sicher auch spannend zu beobachten, welche Pflanzen sich mit der Zeit von selbst noch als Dauergäste dazu gesellen.

Bunt blühende Hungerkünstler

Extensive Begrünung ist pflegeleichter und wegen des geringeren Gewichts vor allem für dünnere Dächer wie Garagen oder Hallen mit leichten Dachkonstruktionen zu empfehlen. Sie isoliert aber deutlich weniger. Ihre Schichtung bietet den Überlebenskünstlern unter den Pflanzen eine Heimat: Moosen und verschiedene Sukkulenten (Sedum- und Sempervivumarten). Sukkulenten sind Pflanzen, die Wasser in ihren Sprossen und Blättern speichern können und deshalb sehr sonnige Standorte vertragen. Zu ihnen gehören Mauerpfeffer, Krustensteinbrech und Dachwurz. Moos- und Sedumdächer sind in der Pflege anspruchslos. Moose brauchen nur ein bis zwei Zentimeter Substratdicke. 

Auf Intensivschichten können anspruchsvollere, höher wachsende Pflanzen und Gräser gedeihen. Solche Gras- und Staudendächer sind etwas pflegeaufwendiger, bringen aber gute Isoliereffekte. Staudendächer müssen in regenarmen Zeiten gegossen werden. Auch brauchen sie im Herbst meist einen Schnitt. Bergaster, Waldschmiele, Roter Sonnenhut, Fackellilie, Margerite, Bergenie, Rittersporn, Mädchenauge oder Flockenblume sehen schön aus und locken zudem Bienen und Schmetterlinge an. Grasdächer können durch hohe Blattmasse und dichten Bewuchs sehr viel Wasser speichern. Zwischen niedrigen Gräsersorten haben auch Kräuter noch eine Chance (als Samenmischung kaufen). Die Kräuterwiese auf dem Dach sollte zweimal im Jahr gemäht werden.

Quadratmeterkosten von 30 bis 100 Euro

Die Materialkosten für eine Intensivbegrünung liegen bei Komplettangeboten zwischen 50 und 100 Euro je Quadratmeter, bei extensiver Begrünung zwischen 30 und 50 Euro. Die Arbeitskosten sind gleich hoch wie beim Kiesdach, da der Arbeitsaufwand in etwa gleich ist. Aufgerechnet gegen die Minderkosten durch Energiespareffekte ergeben sich mittelfristig sicher gute Gewinne. 

Extensiv begrünte Dächer ab einer Auflagenstärke von 15 Zentimetern halbieren die sonst üblichen Temperaturschwankungen auf etwa 40 Grad Celsius. Intensiv begrünte Dächer weisen sogar nur noch Temperaturdifferenzen von 20 bis 30 Grad auf. Sie schirmen also hervorragend Wärme und Kälte ab. Eine Aufbauhöhe von 30 Zentimetern senkt die Kosten für eine Wärmedämmschicht um rund 10 Euro je Quadratmeter. Der Ersatz der herkömmlichen Dachdichtung aus Bitumen durch die Wurzelschutzbahn bringt nochmals eine Ersparnis von 25 Euro je Quadratmeter. Bei Intensivbegrünungen fallen jährliche Pflegekosten von 1,50 bis 3 Euro je Quadratmeter. Städtische Zuschüsse tun ein übriges, damit auch finanziell alles im grünen Bereich bleibt.

dieser artikel wurde vom nabu übernommen

redossi

archiv des lebens

das museum für naturkunde berlin  mit seinen exponaten sammlungen gehört zu den führenden forschungsstandorten  zur biologischen und erdwissenschaftlichen evolution und biodiversität .

IMG_6500mit mehr als 30 millionen objekten besitzt die „schatzkammer des leben“s eine fülle von einzigartigen zeugen der geschichte unseres planeten.

durch neue vermittlungs- und forschungsstrategien soll der bestand und das wissen einem breiten interessierten publikum zugänglich gemacht werden. menschen lieben natur – natur spricht menschen an.

die menschheit steht großen herausforderungen gegenüber – das verstehen von zusammenhängen und wirkkreisen – eine daraus abzuleitende eigene verhaltensanpassung- gehören ebenso zur agenda wie auch die vermittlung und erarbeitung der inhalte  mit jungen menschen.

 

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bis ende 2018 sind die saurier noch sehr prominent vertreten. der tristan saurier, ein sensationeller fund aus der  hell creek formation in montana und die dazugehörigen forschungsergebnisse werfen einen erweiterten blick auf die 65 millionen jahre alten knochen und das leben auf der erde zu dieser zeit.

 

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skurille skulpuren

besser kann es die kunst nicht richten – wunderbare gebilde aus netzen und fruchtteilen verwandeln koniferen in eine einzigartige skulpturenlandschaft.

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die gespinstmotte sorgt für diese wunderwelten

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